Saarland: Wachstumsstark – leider auch im Niedriglohnsektor

Niedriglöhne im Saarland

Das Saarland gilt als Musterbeispiel für einen gelungenen Strukturwandel. Bis in die späten neunziger Jahre hinein hatte die Region - bedingt durch den Rückgang des Steinkohlebergbaus - mit hoher Arbeitslosigkeit und schwachen Wirtschaftsdaten zu kämpfen. Heute präsentiert sich das Saarland auf seiner Website als „wirtschaftlich dynamischstes Bundesland“. Tatsächlich wuchs die saarländische Wirtschaft in der letzten Dekade überdurchschnittlich. Es entstanden neue Arbeitsplätze im Fahrzeug- und Maschinenbau, in der Autozuliefer- und der Stahlindustrie, in der IT-Wirtschaft und im Dienstleistungsbereich. Gleichzeitig sank die Arbeitslosenquote von 12,6 Prozent im Jahr 1998 auf acht Prozent im Jahr 2008.

 

Eine beeindruckende Bilanz - auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass dieser Aufschwung an vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern vorbeigegangen ist. Das allgemeine Lohnniveau im Saarland liegt immer noch deutlich niedriger als in Westdeutschland: Vollzeitbeschäftigte verdienen laut Jahresbericht der Arbeitskammer des Saarlands im Schnitt 8,8 Prozent weniger. Zudem müssen die Menschen hier häufiger als in jedem anderen westlichen Bundesland nachts, abends, am Wochenende oder in Wechselschichten arbeiten.

 

Niedriglöhne und prekäre Beschäftigung auf dem Vormarsch

Alarmierend ist nach Einschätzung der Arbeitskammer der rasante Anstieg von Niedriglöhnen und prekärer Arbeit, die im Saarland inzwischen stärker verbreitet seien als in den westdeutschen Bundesländern. 17,6 Prozent der Vollzeitbeschäftigten arbeiteten laut Bericht im Jahr 2006 zu Niedriglöhnen. Am häufigsten betroffen sind Frauen, sie stellen im Saarland zwei Drittel aller Geringverdiener. Mit 36,3 Prozent liegt ihr Anteil am Niedriglohnsektor sogar um fünf Prozent höher als in Westdeutschland. Zugleich boomt die Zeitarbeit: Seit 2002 hat sich die Zahl der Leiharbeitnehmer verdoppelt und liegt mit einem Anteil von drei Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Jahr 2008 leicht über dem westdeutschen Schnitt.

 

Der größte Anteil der saarländischen Geringverdiener ist im Dienstleistungssektor beschäftigt, in klassischen Niedriglohnbereichen wie im Hotel- und Gaststättengewerbe, bei den Sicherheitsdiensten, in der Zeitarbeit und der Gebäudereinigung. Aber auch in der verarbeitenden Industrie, beispielweise im Ernährungsgewerbe, arbeiten die Beschäftigten oft zu Niedriglöhnen.
 

 

 
 
 
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Letzte Kommentare

  • Re: Tarifvertrag Zeitarbeit

    Thomas, 11.03.2010, 17:04

    Wo bleibt der Grundsatz "gleiche Arbeit - gleiches Geld"?7,50 € Mindestlohn erfüllt?...

  • Re: Mindestlohn für Gebäudetechnik

    I.K., 11.03.2010, 14:45

    Habe einen Lohn von 6.25Euro als Toilettenfrau mit Geld kassieren. Dies gehört doch normalerweise...