Argument | Donnerstag, 20.08.2009 - 17:46
 

Fleischwirtschaft im Saarland: Alles Wurst für wenig Geld

Alles Wurst für wenig Geld

Was den Thüringern die Rostbratwurst ist den Saarländern ihre „Lyoner“. Die landestypische Fleischwurst ist nicht nur eine regionale Spezialität, sondern laut Umfrage auch die Leibspeise von 81 Prozent der Saarländerinnen und Saarländer. Vielen Beschäftigten in den Herstellerbetrieben dürfte der Appetit auf die würzige Gaumenfreude allerdings längst vergangen sein. Denn die industrielle Wurst- und Fleischwarenproduktion bedeutet oft harte Knochenarbeit für wenig Geld. Besonders ungelernte Kräfte ohne berufsspezifische Ausbildung zählen häufig zu den Geringverdienern.

 

Nur drei von 18 Industriebetrieben haben Haustarife

Rund 1.800 Beschäftigte arbeiteten nach Angaben der saarländischen Industrie- und Handelskammer im Jahr 2008 in 18 industriellen Betrieben des Fleisch verarbeitenden Gewerbes im Saarland. „Löhne um die sechs Euro pro Stunde sind hier keine Seltenheit – und das bei schwerster körperlicher Arbeit, zum Beispiel Packarbeiten in den Kühlhäusern“, sagt Roman Peifer, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Saarbrücken. Einen Flächentarifvertrag für die Branche gibt es nicht und nur drei der oft familiengeführten Unternehmen haben bisher Haustariferträge abgeschlossen.

 

Fleischerhandwerk gänzlich ohne Tarifvertrag

Als prekär bezeichnet der NGG-Geschäftsführer auch die Situation im saarländischen Fleischerhandwerk. Die Fleischerinnung des Saarlands habe schon seit geraumer Zeit keinen neuen Tarifvertrag mehr mit der Gewerkschaft abgeschlossen. Wie viel die Beschäftigten im Schnitt verdienen, ließe sich deshalb schwer beziffern. „Von extremen Niedriglöhnen bekommen wir immer nur dann etwas mit, wenn die Leute bei uns anfragen, was sie eigentlich verdienen müssten“, sagt der Gewerkschafter. Peifer schätzt, dass die Löhne für Hilfskräfte „beim Metzger um die Ecke“ zwischen 4,50 Euro und 7 Euro pro Stunde liegen.

 

NGG fordert Mindestlohn für Fleischwirtschaft

Bundesweit setzt sich die NGG seit Jahren für Mindestlöhne in der Fleischwirtschaft ein. Weil aber weder Schlachtindustrie noch Fleischverarbeitung in einem Arbeitgeberverband organisiert sind, fehlt der Gewerkschaft der Verhandlungspartner. Lohnuntergrenzen können nur mühsam über Haustarifverträge festgeschrieben werden. „Manche Unternehmen lehnen es aber schlicht ab, mit uns zu reden“, berichtet Bernd Maiweg, NGG-Referent Fleischwirtschaft. Entsprechend niedrig ist die Tarifbindung in der Branche. Eine Aufnahme ins Arbeitnehmer-Entsendegesetz ist deshalb nicht möglich. Die Gewerkschaft hofft nun, dass die Fleischwirtschaft möglichst bald in das neu gefasste Mindestarbeitsbedingungengesetz aufgenommen wird. Das Gesetz ermöglicht die Einführung von Mindestlöhnen auch in Branchen, in denen die Tarifbindung unter 50 Prozent liegt.

 
 

Kommentar verfassen

Bitte füllen Sie alle mit einem Sternchen (*) gekennzeichneten Felder aus.
Sie können die Grafik nicht erkennen? Anderer Test.


 
 
 

Verwandte Artikel

Veranstaltungskalender

vorheriger Monat März 2010 nächster Monat
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6 7
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 30 31

Eigene Veranstaltung eintragen

230.166 Unterschriften

37.286 Unterschriften am 11.03.2010

per Web/SMS sowie 192.880 auf Unterschriftenlisten
Unterschreiben für den Mindestlohn...

 

Letzte Kommentare

  • Re: Tarifvertrag Zeitarbeit

    Thomas, 11.03.2010, 17:04

    Wo bleibt der Grundsatz "gleiche Arbeit - gleiches Geld"?7,50 € Mindestlohn erfüllt?...

  • Re: Mindestlohn für Gebäudetechnik

    I.K., 11.03.2010, 14:45

    Habe einen Lohn von 6.25Euro als Toilettenfrau mit Geld kassieren. Dies gehört doch normalerweise...