20.08.2009

Montag, 24.08.2009

Gastronomie im Saarland: Heiß und fettig für 3,50 Euro

Gastronomie im Saarland

© [mys: photocase.com]

 

Das Hotel- und Gaststättengewerbe ist landauf, landab für seinen hohen Anteil an Niedriglohnjobs bekannt - im Saarland ist die Situation nicht anders. Zwar sind die Löhne hier in einem Flächentarifvertrag landesweit einheitlich regelt, doch in der niedrigsten Entgeltgruppe liegt der Stundenlohn seit Anfang des Jahres gerade einmal bei 6,77 Euro (1.171,58 Euro/ Monat). Hinzu kommt: Die tariflichen Untergrenzen gelten nur für die Mitglieder der Vertragsparteien - und die Tarifbindung in der Branche ist gering.

 

Dumpinglohn und Schwarzarbeit weit verbreitet

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im September 2012 rund 8.400 Menschen im saarländischen Gastgewerbe sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Schwarzarbeit, Dumpinglöhne, lange Arbeitszeiten und regelmäßig unbezahlte Mehrarbeit für viele von ihnen zum Arbeitsalltag gehören. Doch selbst Roman Peifer von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) im Saarland ist immer wieder überrascht, was den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern teilweise zugemutet wird.

 

Arbeitsbedingungen „jenseits von Gut und Böse

So landete kürzlich der Fall einer Imbissverkäuferin auf seinem Tisch, die sich an die Gewerkschaft gewandt hatte. Bei einer Arbeitszeit von 230 Stunden im Monat kam die Beschäftigt auf einen Stundenlohn von gerade einmal 3,50 Euro pro Stunde. Außerdem verlangte der Arbeitgeber, dass die Arbeitnehmerin dem Betrieb ihr Privatauto kostenlos zur Verfügung stellt. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen in der Gastronomie sind oftmals „jenseits von Gut und Böse“, empört sich Peifer.

 

Dehoga lehnt Mindestlöhne ab

Um Dumpinglöhne wie diese zu verhindern, fordert die NGG seit langem einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro für die Branche. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) lehnt Mindestlöhne jedoch ab. Lohnfindung sei Aufgabe der Tarifparteien und nicht der Politik, heißt es regelmäßig aus dem Verband. Ein Mindestlohn vernichte Arbeitsplätze und fördere die Schwarzarbeit. Tatsächlich ist es so, dass skrupellose Wirte, die ihre Beschäftigten zu Hungerlöhnen schuften lassen, den Kostendruck auf die tariftreuen Unternehmen immer weiter erhöhen. Darunter leiden nicht nur die Beschäftigten, sondern auch Qualität und Service in den Hotels und Gaststätten – das kann nicht im Interesse des Verbandes sein.
 

 
 

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1 Kommentar

Dienstag, 15.09.2009 09:49

Jörn Poppenhäger

Es wundert mich eigentlich immer noch, dass sich die Dehoga dagegen wehrt. Klar ist, dass es der Gastronomie genauso schlecht geht, wie den übrigen Geschäftsleuten, deshalb ist es auch schwierig, einen Mindestlohn zu setzen. Aber ausbeuten sollte sich auch niemand lassen, irgendwo ist Schluss, und die Grenze muss sich jder selbst setzen.

Gruß Jörn
http://www.restaurant-berater.de

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