Studie: Niedriglohn in Niedersachsen weitet sich aus

Niedersachsen

Gut jeder fünfte der rund 2,9 Millionen abhängig Beschäftigten in Niedersachsen arbeitet im Niedriglohnsektor. Im Jahr 2007 mussten sich etwa 623.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Stundenlöhnen unterhalb der Niedriglohnschwelle zufrieden geben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Göttingen im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). „Der Niedriglohnsektor weitet sich immer mehr aus, wir haben praktisch ein unbegrenztes Wachstum“, sagte Markus Krüsemann, Wissenschaftler beim Institut für Regionalforschung der Universität Göttingen, der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge.

 

Niveau der Niedriglöhne sackt ab

Prekär ist laut Studie besonders die Situation im Hotel- und Gastgewerbe, im Bäckerhandwerk, beim Wachpersonal und im Einzelhandel. Niedriglöhne von vier bis fünf Euro seien in diesen Branchen keine Seltenheit mehr, so Krüsemann. Immer häufiger fänden sich unter den Geringverdiener selbst gut ausgebildete Beschäftigte, fast 71 Prozent verfügten über eine Berufsausbildung. Beobachtet haben die Wissenschaftler außerdem, dass das Lohnniveau der niedrig vergüteten Jobs immer weiter absinke: „Der durchschnittliche Stundenlohn ist von 2003 bis 2007 von 7,18 Euro auf 6,88 Euro gesunken, brutto.“, sagte Krüsemann. Verschärft werde die Situation durch die wachsende Zahl von Teilzeitbeschäftigten.

 

DGB erneuert Forderung nach Mindestlohn

Hartmut Tölle, Vorsitzender des DGB Niedersachsen, sieht angesichts der Ergebnisse der Studie dringenden Handlungsbedarf: „Den Staat kostet die Subventionierung von Niedriglöhnen durch aufstockende Hartz IV-Mittel jährlich allein in Niedersachsen die horrende Summe von 420 Millionen Euro“. Der DGB fordert Mindestlöhne nicht unter 7,50 Euro pro Stunde als unterste Grenze bei der Entlohnung. Mit Blick auf die Studie sagte Tölle: „Wir haben nun wissenschaftlich belegt, dass wir mit unseren Annahmen leider recht behalten haben“. Jetzt sei es an der Zeit, dass die Politik endlich konsequent handle.
 

 

 
 
 

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