Meinung | Montag, 09.02.2009
 

Immer für andere da - für einen Hungerlohn

Pflege Mindestlohn

Karen M. aus Hessen arbeitet als Altenpflegerin in einem privaten Altenheim - 7 Stunden am Tag, 12 Tage durchgehend, dann einen Tag frei, wenn sie Glück hat. 1150 Euro verdient sie dafür brutto im Monat - kaum genug zum Leben und das bei einer körperlich und seelisch anstrengenden Arbeit.

 

Woran wird "Armut trotz Arbeit" besonders spürbar?

Ich arbeite als Altenpflegehelferin in einem privaten Pflegeheim, bin eine Vollkraft und fahre täglich 40 km hin und zurück. Mein Nettolohn am Monatsende ist 850 Euro bis 915 Euro im Monat, je nach dem, wie viel Doppeldienste ich am Wochenende habe. Das heißt 10 Stunden am Sonntag, da gibt es 1.20 Euro Sonntagszuschläge. Wenn ich meine laufenden Kosten wie Miete, Strom, Versicherungen für Auto und so weiter bezahlt habe, bleiben mir 10 Euro im Monat zum Leben. Da ist aber noch nicht der Sprit, den ich ja brauche, um zur Arbeit zu kommen dabei. Alle Preise steigen, nur nicht der Lohn - es ist traurig, dass jemand, der arbeiten geht, nichts mehr zum Leben übrig hat.

 

Welche Wünsche würden Sie sich oder Ihrer Familie gern erfüllen?

Ich würde mir wünschen, dass ich wieder mal richtig einkaufen könnte und mein Kühlschrank nicht nur leer ist oder das ich meine Heizung mal richtig aufdrehen könnte, damit ich auch mal eine warme Wohnung hätte und nicht die Angst im Nacken sitzt "Wie bezahle ich die Heiz- und Stromkosten?"

 

Was erwarten Sie von Politik und Gesellschaft?

Dass sie dafür sorgen, dass die Leute, die noch Arbeit haben auch von ihren Löhne leben können oder Zahnersatz bezahlen können.

 

Was erhoffen Sie sich von Mindestlöhnen?

Dass es uns dann doch ein bisschen besser geht und die Arbeitgeber uns mehr Lohn zahlen müssen und nicht nur an sich denken.

 
 

Kommentare(7)

Linara am Donnerstag, 25.06.2009, 16:47
 

Das ist schon sehr erschreckend.
Aber gleichzeitig schreien die Menschen auf, wenn die Altenheime und häusliche Pflege mehrere Tausend Euro kostet.
Es kann nicht sein, dass Pflegepersonal so wenig bekommt. Der Beruf ist körperlich und seelisch belastend. Dies muss anerkannt werden. Wenn das Pflegepersonal weiterhin so schlecht bezahlt wird, dann werden langfristig immer weniger Menschen in diesem Bereich arbeiten wollen.
Linara
www.linara.de

Susanna am Sonntag, 09.08.2009, 20:06
 

Ich arbeite als Altenpflegehelferin und verdiene in der Stunde 5.89€ und arbeite im Monat knapp 65 Stunden und manchmal auch mehr.
In meinem Altenheim ist es genauso wie es hier beschrieben ist man arbeitet für einen Hungerlohn und bekommt keine Anerkennung von den Chefs nicht und auch nicht von vielen Außenstehenden Personen. Man fühlt sich ausgenommen und trotzdem versucht man sich anzustregen damit man alles richtig macht und trotzdem ist es nicht gut genug.
Meine Meinung ist das wenn es so weiter geht sich kein Auszubildender mehr für so einen Beruf interessiert dies ist meine Meinung auch nicht wenn es so bezahlt wird. Wenn man sieht das man noch nicht mal von diesem Lohn Leben kann ist dies ein echtes Armutszeugnis für alle Arbeitgeber, ich finde durch eine öffentliche Demo würde mal endlich auf den Tisch kommen worüber sich so viel aufregen.

Susanna

Melisande Pawlowski am Montag, 07.09.2009, 18:36
 

Ich arbeite als Altenpflegehelferin und
bekomme 8,52€ die Stunde, habe eine 20 Stundenstelle.
Am Monatsende bleiben mir bei
Steuerklasse 1 gerade mal 486,€
übrig. Da sollte man sich doch überlegen, auf 400 € zu gehen, weil
ich da für weniger Stunden auch 400,- in der Tasche habe....
Aber man will ja auch etwas für die
Rente tun...

Heiko am Freitag, 02.10.2009, 11:19
 

das ist das traurige Ergebnis eines "sozialen" Staates.
Meine Partnerin, gelernte staatlich anerkannte Familienpflegerin arbeitet 30 Wochenstunden als Erzieherin in einer Kinderkrippe für 800 Euro brutto im Monat. Was übrig bleibt, sind 627 Netto. Das Ganze nennt sich Kommunal-Kombi-Job und scheint, ich spreche es direkt an...eine neue Form staatlicher Ausbeutung des Arbeiters zu sein.
Man behauptet doch tatsächlich, es gäbe in diesem Deutschland keine Arbeit. Ich könnte das Gegenteil beweisen, weil ich zu gut weiß, daß es durchaus genügend Arbeit gibt....nur kaum einen Arbeitgeber, der diese Arbeit ordentlich bezahlt, d.h. so bezahlt, daß man von Arbeit leben kann und nicht auf zusätzliche Leistungen des Amtes angewiesen ist.

HEIKE am Dienstag, 22.06.2010, 22:30
 

auch ich muß 10 Tage arbeiten,habe dann 4 Tage Frei und das für einen Hungerlohn von 5,89.Ich muß alleine auf der Station arbeiten,muß 15 Patienten versorgen,pflegen,auch Medi geben usw.,dann aber noch nach draußen zu den Patienten fahren Patienten z. Arzt bringen und bei einigen 2 Std. die Wohnung reinigen.Das als Altenpflegehelferin.Eine Exam.brauch das alles nicht.Bekommt mehr Geld,brauch nicht sauber machen hat Ihre Tour am Tag und dann ist das so toll.Ein Danke von den Chef bleibt aus.Im gegenteil man soll noch mehr schaffen damit der dann um 16 Uhr nach Hause gehen kann am Wochenende erscheint er auch nicht.Aber man muß ja zufrieden sein das man arbeiten darf.Den Mindestlohn zahlt er uns auch nicht er ist privat und wo soll er das Geld hernehmen.Hauptsache dicke Autos fahren.Ich bin der Meinung der sieht nur die Dollarzeichen in den Augen der Patienten mehr nicht.

Eckard Albrecht am Montag, 16.08.2010, 18:49
 

Ich arbeite seit 4 Jahren als Pflegeassistent in der Altenpflege, habe einen 30.Std Vertrag und erhalte Netto 890.-Euro im Monat. Ich bin nur am Rennen und verrichte Arbeiten nicht nur die eines Assistenten, sondern auch die einer Pflegefachkraft,da wäre: Wundversorgung, Infusion, Sondenkost usw. Ich bin der Meinung, dass sich am Lohn etwas tun muß, da ich es sonst vorziehe meine Arbeit aufzugeben, zu Stempeln und ein bis zwei Pflegebedürftige unter der Hand zu Pflegen und zu betreuen, dann bleibt mir auch etwas zum Leben. Momentan lebe ich von 220.- Euro im Monat, die mir bleiben.

Patrick am Montag, 23.08.2010, 12:44
 

Ich finde es ganz ehrlich gesagt eine Sauerei wenn ich sehe was man als examinierter Altenpfleger verdient, 1050 Netto!!! Ich brauche den Leuten welche selber in der Altenpflege arbeiten wohl nicht erzählen wie aufwendig dieser Job ist, körperlich und auch geistig! Man hat wahnsinnig viel zu tun, arbeitet mit Ärzten, macht Pflegeplanungen und und und... Dann schaust du auf dein Konto und denkst.... Wofür??? Manche Leute die keine 12 Tage am Stück arbeiten und jedes Wochenende frei haben, genau solche Leute verdienen viel mehr wie ich! Soll das gerecht sein? Solange aber niemand etwas unternimmt wird sich auch nichts ändern!!! Wir sollten mal eine riesige Demo auf die Beine stellen, der Menschheit verständlich machen was wir in diesem Job bewegen!!! Wir kennen KEINE Feiertage, KEIN Wochenende und oft auf KEINE FREIEN Tage!!!! Oder seh ich das alles falsch???

sandra am Mittwoch, 01.09.2010, 15:33
 

Hallo,
Ich bin examiniert und wurde als Wiedereinsteigerin zu 11,00 Brutto eingestellt.Teilzeit. 80 h im Monat netto 710€ , da kann ich nicht von leben und nicht von sterben.
Entweder volle Stelle suchen oder nebenbei weiter kellnern. Fragt sich nur wie lange der Körper das mitmacht.

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Letzte Kommentare

  • Re: Altenpflege

    sandra, 01.09.2010, 15:33

    Hallo, Ich bin examiniert und wurde als Wiedereinsteigerin zu 11,00 Brutto eingestellt.Teilzeit. 80...

  • Re: sicherheitsdienst

    diggy, 31.08.2010, 21:39

    Hey...Highwayman...danke für dein Kommentar. Bin auch beim Anwalt...vom prinzip her...so geht das...