Die Call Center-Branche boomt – und 99 Prozent der Mitarbeiter sind laut einer Umfrage der Gewerkschaft ver.di mit ihrer Bezahlung unzufrieden. Dieser Missstand wurde kürzlich auch bei der europäischen Callcenter-Kongressmesse in Berlin thematisiert. verdi hatte dazu aufgerufen, für Tarifverträge und Mindestlohn zu demonstrieren. Auch die Branche gibt sich einsichtig, setzt jedoch weiterhin auf Niedriglöhne als Geschäftsstrategie.
"Die Branche boomt: Ständig öffnen neue Standorte, die Beschäftigtenzahlen steigen rasant und die Geschäftsergebnisse sind hervorragend", stellt verdi-Experte Jürgen Stahl im Tagesspiegel fest. Rund 440.000 Menschen arbeiten nach Angaben Branchenverbandes Call Center Forum (CCF) in den 5700 deutschen Call Centern. Jährlich setzt die Branche knapp 1,2 Milliarden Euro um und wächst weiter. Nach Angaben von ver.di liegt der Grundlohn in der Branche jedoch lediglich bei 5,50 bis sieben Euro pro Stunde bei Arbeitszeiten von 40 bis 42 Stunden in der Woche.
Tarifverträge, wie sie die ver.di fordert, gibt es für die Callcenter-Branche bisher nicht, von Mindestlöhnen ist man weit entfernt – der wirtschaftliche Erfolg kommt bei den Mitarbeitern nicht an. Sie bleiben in prekären Verhältnissen. So hatte die Umfrage der Dienstleistungsgewerkschaft nicht nur ergeben, dass annähernd alle Beschäftigten mit ihrer Bezahlung unzufrieden sind, sie offenbarte auch die Konsequenzen. 51 Prozent der Befragten sagten aus, dass sie auf einen Zweitjob angewiesen sind und 23 Prozent der Befragten gaben an, neben ihrem Lohn noch zusätzliche staatliche Unterstützungsleistungen zu erhalten.
Die Callcenter-Branche sieht sich nicht nur immer wieder Beschwerden von Verbrauchern gegenüber, die gegen unerwünschte Anrufe vorgehen möchten, sondern auch die eigene Lohnpolitik weckt Unbehagen. Im Jahr 2007 riefen die Unternehmen deshalb einen sogenannten „Ehrenkodex“ ins Leben, der unter anderem Beschäftigte und Verbraucher vor unlauteren Praktiken im Bereich des Telefonmarketings schützen soll. Diese Selbstverpflichtung konnte Dumpinglöhne bisher jedoch nicht verhindern. „Die verdi-Forderung nach einem Mindestlohn ist absolut berechtigt“, sagte der Sprecher des Call Center Forums zwar anlässlich des Branchenkongresses in Berlin, doch Beteuerungen allein helfen den Mitarbeitern nicht. Vielmehr bedroht der Preiskampf die Löhne immer mehr. „Bei vielen Ausschreibungen fragen wir uns auch ohne Mindestlohn, wie unsere Konkurrenten die Leistungen so billig anbieten können“, fasst Jutta Lorberg, Sprecherin des Telefonmarketing-Unternehmens SNT, den Preiskampf zusammen.
Niedriglohnbranchen in Deutschland: Call-Center in Brandenburg
Wer einmal in einem Callcenter 8 Std. (unter Leistungsvorgaben) und mehr gearbeitet hat ist taub für Ablehnungen derjenige, die Mindestlöhne für wirtschafts schädigend empfinden. Ein Mindestlohn von 8,50 bis 9,50 € wäre in dieser Branche mehr wie angebracht und gerecht. Da gibt es auch nichts zu verhandeln nur zu handeln. Die Verantwortung und Entscheidung kann man nicht alleinig denen überlassen, die vorneherein gemeinsame Sache hinter verschlossener Türe machen. Nein, hier ist jeder einzellne Arbeitnehmer dieser Branche gefragt der täglich das Brot dieser Branche miterwirtschaftet. Löhne unter 6 und 7 € ist "Sittenwiedrig" und Ausbeutung!
Ich habe bis vor kurzem für ein Call-Center gearbeitet, und als Student einen Lohn von 5,50 € verdient. Ich weiss, das Neulinge, die dort anfangen, und keine Studenten sind, 5,15€ verdienen. Leider hat man hier im Osten einfach keine Wahl, Jobs sind mehr als rar, da nimmt man, was man bekommen kann. Das bei solchen Löhnen nichts hängenbleibt, ist kein Wunder, ich habe jeden Monat das Problem, das ich mir den Kopf zerbreche, wie und ob ich meine Rechnungen bezahlen kann.
Ein Mindestlohn würde da echt guttun.
Stundenlöhne von 7 Euro und erst recht darunter sind keine Motivation für die Mitarbeiter. Davon kann man zwar gerade so überleben, muß aber ganz schön überlegen, wenn man sich auch mal einen Eintritt oder sonstwas, was irgendwie mit Kultur zu tun hat, leisten will.
Man wird bei diesen Löhnen quasi von (fast) allem ausgeschlossen, was das Leben angenehm macht.
Ob die Call Center Branche sich damit auf Dauer gut halten kann, ist zu bezweifeln.
Aber das interessiert wohl die INHABER nicht.
Wenn die Mitarbeiter ausgelutscht sind und Ihr Call Center mal nicht mehr läuft, wird die Bude eben zugemacht, und der Inhaber eröffnet mit dem gescheffelten Geld eine neue Firma.
Schlechte Arbeitsbedingungen und vor allem hoher psychischer Druck gekoppelt mit niedrigen Löhnen macht die menschen kaputt .
Betriebsverfassungsorgane als "Zahnlose"Tiger", macht der Betriebsrat seine Arbeit , wird diese einfach an einen anderen Standort gegeben.Es gibt viel zu tun für Gesetztgeber und Gewerkschaften um diese Misere zu ändern.
Ein paar Jahre im call-center und dann ab zum Psychologen, das wäre die alternative wenn das so weitergeht.
Billiglöhne machen Krank.
Ich habe auch mal in einem Call Center gearbeitet und habe sage und schreibe 4 Euro die Stunde verdient!!
Das habe ich ein paar Wochen gemacht weil ich das Geld brauchte, aber habe es dann wieder abgebrochen, dass war mir die Arbeit dort nicht wert.
Moderne Arbeitssklaven
Ich Arbeite zur Zeit seit ca 13 Tagen ) im einem Callcenter Inbound Sky (Pay TV) Bestellannahme.
Ich Arbeite 30 Std. die Woche und bekomme 7,- €
Habe 2 Jahre Callcenter Erfahrung eine abgeschlossene Ausbildung und ein Studium zum Online-Programmierer erfolgreich absolviert.
Leider ist in Berlin das Jobangebot so schlecht dass man so gut wie keine vernünftige und gut bezahlte Jobs bekommt.
Trotz meiner Qualifikationen gab es keine Möglichkeit mehr als 7 € Std. Lohn zu bekommen.
Im Vorstellungsgespräch wurde zwar gesagt das es bis zu 1,75 € die Std. Bonus geben kann im Nachhinein stelle sich aber heraus das die Aussagen im Vorstellungsgespräch nicht den Tatsachen entsprechen.
Wenn ich mir das jetzt durch rechne bekomme ich bei 30 Std. die Woche einen Bruttolohn von 840,- € das sind netto bei Lohnsteuerklasse 1 ca. 685,- € .
Wenn ich jetzt Hartz 4 bekommen würde würde ich 365,- € Wohngeld bekommen und 355,- € zum leben macht zusammen 720,- €
Allerdings ist man dann wieder der Schikane seine Arbeitsberaters ausgesetzt und wird teilweise menschenunwürdig behandelt.
Was ist hier passiert in diesem Land ? Es kann doch nicht sein das reguläre Arbeit nicht bezahlt wird und man am ende des Monats sich Geld leihen muss damit man was zu essen hat.
Lieber Klaus,
in deinem Fall rate ich dir, Wohngeld zu beantragen (den anderen ggf. auch).
Ich habe einen Stundenlohn von ca. 9,20 € ausgehandelt für eine Stelle Inbound in einer Fremdsprache. Nur deswegen bekomme ich relativ viel. Trotzdem ist es verdammt wenig verglichen mit einem Bürojob mit Fremdsprachen, da gibt es zwischen 11 und 14 €.
Ich schließe mich der Forderung der Gewerkschaft an.
ich bin seit über 13 jahren in der callcenterbranche. bei meinem bisherigen arbeitgeber bekam ich zuletzt ein grundgehalt von 7,65 € + provision und konnte damit letztlich auf 10,- bis 12,- pro stunde kommen. das ist außergewöhnlich viel im callcenterbereich in berlin.
leider musste mein arbeitgeber insolvenz anmelden und ich bin somit gezwungen, mir was neues zu suchen. aber über 7,50 im inboundbereich sind einfach kaum mehr drin.
mindestlöhne um die 9,-/stunde sollten wirklich langsam mal erzwungen werden. es kann nicht sein, dass man trotz vollzeitjob noch abhängig von staatsgeldern ist
Bin auch davon betroffen, nur kam es bei diesem Arbeitgeber noch schlimmer, denn: 1) wird im Stelleninserat mit einem Std.-Lohn von 12,50€ geworben, in Wahrheit bekommt man, falls man nach 2-wöchigem und kostenlosem Probearbeiten einen Vertrag bekommt dann nur 7,00€/Std.
2) werden nicht wirklich Stellen besetzt. Es gibt tatsächlich Arbeitgebr, die sich mit kostenlosen "Probearbeitern" über Wasser halten und dies in großen Stil! Jede Woche neue Bewerber, die dann für 2 Wochen hingehalten und schickaniert werden. Die Arbeitsbedingungen entsprechen Drückermethoden, man soll Abonnementenwerbung betreiben. Ich habe den Vertrag natürlich nicht bekommen, obwohl ich mich - wie viele andere Arbeitslose auch - über einen Vertrag wahnsinnig gefreut hätte, auch zu diesen miserablen Bedingungen.
So etwas darf einfach nicht sein!
Hallo Sklaventreiber,
ich arbeite seit Jahren bei Kyocera im Callcenter Bereich. Der Job ist super, das Team auch, die Produkte auch, der Service auch aber die Personalpolitik ist ... Wenn ich keinen Zweitjob hätte wäre ich schon längst weg. Der Lohn ist unterhalb vom vom Mindestlohn, man muss sogar von Privat Geld zulegen. Es gab bis dato nie ein Geburtstagsgruss, Geschenk, noch Ostern noch Weihnachtsgeschenk. Ich arbeite 40 Stunden und bekomme 7 Euro. Tarifverträge werden unterwandert. Es wurde damals mit 17 Euro geworben aber die hab ich nie gesehen. Man macht harte IT Arbeit mit Support, Drucker, Installation, Troubleshooting, TEchnikerhilfe, Firmware, Prescribe, heterogenen Strukturen, Netzwerk, Softwareinstallation, Server und all die IT Administratoren die man mal eben Hilft die Peripherie zwischen 5 und 45 Minuten einzubauen ohne ein Wort des Dank oder ein Packet oder irgendein Nettes Wort. Es wird alles für selbstverständlich genommen und jeden Tag wird man angeschrein.
Bleiben Sie immer auf dem neuesten Stand der Mindestlohndebatte - egal ob am Rechner oder mit dem Handy!
per Web/SMS sowie 192.880 auf Unterschriftenlisten
Unterschreiben für den Mindestlohn...