Meldung | Montag, 09.03.2009
 

WSI-Studie: Elf EU-Staaten erhöhen Mindestlöhne

WSI Mindestlöhne in Europa

In 20 von 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union gelten gesetzliche Mindestlöhne. Elf EU-Länder haben die untere Lohngrenze zum Jahresbeginn angehoben, in zwei weiteren werden schon seit dem 1. Oktober 2008 höhere Mindestentgelte gezahlt. Dies geht aus dem europäischen Mindestlohnbericht hervor, den das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung jetzt vorgelegt hat. Gleichzeitig warnt der WSI-Tarifexperte und Autor der Studie Dr. Thorsten Schulten davor, Mindestlöhne angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise einzufrieren oder gar abzusenken.

 

Westeuropa: Mindestlöhne zwischen 8,41 Euro und 8,71 Euro

Luxemburg, die Niederlande, Spanien, Malta, Portugal, Polen, die Slowakei, Ungarn, Lettland, Rumänien und Bulgarien erhöhten zum 1. Januar 2009 das gesetzliche Lohnminimum. In Großbritannien und Belgien waren die Mindestlöhne bereits im vergangenen Jahr angehoben worden. Laut WSI-Bericht liegen die Mindestlöhne in den westeuropäischen Euro-Ländern damit zwischen 8,41 Euro und 9,49 Euro pro Stunde. Spitzenreiter ist Luxemburg – hier stieg die gesetzliche Lohnuntergrenze auf 9,49 Euro.

 

Neben den westeuropäischen Ländern unterscheidet die Studie zwei weitere Gruppen: In den alten EU-Staaten in Südeuropa betragen die Mindestlöhne demnach zwischen 2,71 Euro in Portugal und 4,05 Euro in Griechenland. Auf ähnlichem Niveau bewege sich das neue EU-Mitglied Slowenien mit 3,41 Euro. In den übrigen mittel- und osteuropäischen Staaten seien die Mindestlöhne dagegen deutlich niedriger. Die Stundensätze reichten hier von 0,71 Euro in Bulgarien bis 1,93 Euro in Tschechien. Diese Länder hätten allerdings in der letzten Zeit aufgeholt, weil die Mindestlöhne dort schneller gestiegen seien als in der alten EU, so Schulten. Zudem spiegle das Niveau der Mindestlöhne zum Teil die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten wider.

 

Restriktive Mindestlohnpolitik ist das falsche Signal

Die Wirtschaftskrise hinterlasse allerdings auch bei der Entwicklung der Mindestlöhne erste Spuren: Während die gesetzlichen Lohnuntergrenzen seit 2000 in allen 20 Mindestlohnländern der EU inflationsbereinigt um durchschnittlich 4,4 Prozent gestiegen seien, habe die Entwicklung 2008 „deutlich an Dynamik verloren“, so Schulten. Real seien die Mindestlöhne vor allem wegen des starken Preisanstiegs im ersten Halbjahr 2008 zum ersten Mal seit der Jahrtausendwende um 0,3 Prozent gesunken.

 

Vor diesem Hintergrund warnt das WSI vor einer restriktiven Mindestlohnpolitik in Europa. Zwar werde in keinem europäischen Land ernsthaft die Abschaffung des gesetzlichen Mindestlohns erwogen, angesichts der Krise drängten Arbeitgeberverbände aber zunehmend darauf, die Mindestlöhne einzufrieren oder sogar abzusenken. Dies dürfte „die Krise jedoch eher noch weiter verschärfen“, befürchtet das WSI. Ökonomisch sinnvoll wäre es stattdessen, „durch eine angemessene Erhöhung der Mindestlöhne die Konjunktur zu stabilisieren“, heißt es in der Studie. Für Deutschland, wo die Beschäftigten seit fünf Jahren Reallohnverluste hinnehmen müssten, sei gerade angesichts der Krise die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns dringender denn je.

 
 
Meldung | Montag, 09.03.2009
 
WSI Mindestlöhne in Europa

 

 
 

Kommentare(9)

Christian am Donnerstag, 12.03.2009, 13:57
 

wenn wir doch das amerikanische sozialpolitische system "übernehmen", warum übernehmen wir dann auch nicht die mindestlöhne. selbst die einkommensschwachen länder innerhalb der EU haben so etwas. es muss sich wieder lohnen arbeiten zu gehen. kein wunder das viele ALG I/II empfänger total demotiviert sind, wenn man mehr arbeitslosengeld bekommt als wenn man arbeiten geht, sehr traurig finde ich das

Konrad Tschorn am Donnerstag, 12.03.2009, 20:36
 

Das der DGB feststellt, dass in anderen westeuropäischen Ländern (außer GB) Mindestlöhne zwischen 8,41 und 9,49 Euro gezahlt werden ist das Eine. Wann aber fordert der DBG einen solchen Mindestlohn? Seit Jahren fordert der DBG 7,50 Euro,. Mindestens eine jährliche Steigerung um die Inflationsrate sollte doch möglich sein. Die Arbeitgeberverbände sind in ihren Forderungen nicht so bescheiden!!! Wann endlich tritt der DGB wieder kämpferischer auf. Schon Sommers Kungelrunden hinter Kanzler Schröders Kamin in Bezug auf die Hartz IV Gesetze waren ätzend. Auch während der sogenannten gr. Koalition hat sich nichts geändert. Müssen noch mehr Arbeitnehmer aus den Gewerkschaften austreten?

Jan am Freitag, 13.03.2009, 07:05
 

Tja, was soll man da so groß zu sagen. Dank der CDU erreichen zumindest die Firmen einen Boom, + für die Arbeitgeber und - für den Arbeitnehmer. Manchmal frage ich mich, warum ich eigentlich noch arbeiten gehe, denn auch Ich befinde mich auf "etwas" besseren ALG2 Niveau.

Wenn die Regierung sich gerne weiterhin Stur stellt, dann denke ich einfach das auch Ich ende des Jahren mit 27 ruhig in die sognannte (Harz IV) Rente gehen kann.

Ben am Montag, 16.03.2009, 16:20
 

Wie war das noch in Bayern, "wenn ihr den Mindestlohn wollt, warum wählt ihr denn auch nicht dementsprechend?", also wählt keine CDU, die den Mindestlohn ablehnt. Und da ist auch in letzter Zeit das Thema "bedingsloses Grundeinkommen" wieder ins rampenlicht gerückt, aber soviel kann ich sagen, ein von beiden muss her!

Stefan am Sonntag, 22.03.2009, 17:26
 

Bürgergeld oder Mindestlohn in Deutschland und dann aber nicht nur 7,50 Euro. Das ist ja lächerlich.

Vollzeit: 162 mal 7,50 = 1215 brutto, und das ergibt ca 900 Euro netto. Da muss ich keinem erzählen, dass das absolut lächerlich ist, wenn man bedenkt, wie hoch die Mieten in Deutschland sind. Bürgergeld her, marodes Sozial- und Steuersystem weg. Das muss das Ziel sein. Übrigens hätte man mit oben gerechnetem Beispiel und Bürgergeld ca 1200 netto. Und bitte Gewerkschaften, tretet den menschenverachtendem Handelsunternehmen in Deutschland mal in den Hintern! Dafür seid ihr da!!

Flachzange am Montag, 22.02.2010, 17:00
 

@Stefan

Die 7,50€ sind doch nur ein Startwert, der dann auch überporpertional zu Inflation und Lohnentwicklung erhöht werden kann. Du kannst nicht gleich mit 10€ starten. Dann gehen wirklich Arbeitsplätze verloren. Ich bin auch für den Mindestlohn aber man muss hier trotzdem vorsichtig sein. 7,50€ ist eine realisitische Forderung (zumindest für Westdeutschland)

Rainer Wahnsinn am Donnerstag, 04.03.2010, 09:02
 

Ich finde das sehr deprimierend. Dass so viele Leute abreitslos sind.
Mein Mann Adalbert ist auch dieser Meinung.

Angie am Freitag, 05.03.2010, 11:37
 

ich bin auch für den Mindestlohn jedoch nicht wie viele meinen mit 7.50 Euro man darf hier nicht vergessen das in den letzten Jahren die Preise in allen Branchen gestiegen sind sei es Wasser,Strom,Nebenkosten u.s.w.
Hier sollte man erst einmal nach denken bevor man ein Mindestlohn ein führen will. Arbeitnehmer die allein stehend sind ( Steuerklasse 1) müßten weider Ünterstützung beantragen da das Leben in Deutschland teuer ist. In der jedzigen Zeit wäre ich für ein Stundenlohn von 10.00 Euro damit kommt dann auch ein Alleinstehender aus das wäre auch Fair gegen über unseren Politikern die bei weiden mehr haben. Viele von den Politikern vergessen das wir nicht wie damals Leben sondern heute.Denkt mal darüber nach.

Noel am Dienstag, 27.04.2010, 10:46
 

In Bulgarien sind ja ganz andere verhältnisse als in Luxenburg. Darum ist der Mindeestlohn auch anders.

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