Dienstag, 11.12.2012

ver.di will Mindestlohn für Friseure verhandeln

Friseurladen mit Leuchtschrift im Schaufenster

© TimToppik / photocase.com

 

Rund 80.000 Friseur-Betriebe gebe es, Tendenz steigend. Mit Schnäppchenpreisen versuchten viele der Betriebe, dem enormen Konkurrenzdruck standzuhalten – oft zulasten der Angestellten, die mit Stundenlöhnen von fünf bis sechs Euro abgespeist würden, berichtet der Weser Kurier.

 

Seit Jahren würde in der Branche immer wieder über Mindestlöhne diskutiert – bisher ohne Ergebnis. Einen Tarifvertrag für die gesamte Branche gebe es nicht. Doch spätestens Anfang 2013 wolle die Gewerkschaft ver.di mit den deutschen Friseuren über einen branchenweiten Mindestlohn verhandeln.

 

"Das ist genau der richtige Weg", zitiert die Zeitung Andreas Meyer, Geschäftsführer der Bremer Friseur-Innung. Der Mindestlohn sei für Meyer ein Mittel, "Missstände in einzelnen Geschäften" aufzudecken. In den vergangenen Jahren habe es eine regelrechte "Friseur-Schwemme" gegeben.

 

Nach Angaben der zentralen Innung sei die Zahl der Betriebe in den vergangenen zwölf Jahren um mehr als 16.000 auf fast 80.000 angestiegen. Vor allem die Zahl der Ein-Personen-Unternehmen habe zuletzt zugenommen. Liege der Jahresumsatz dieser Betriebe unter 17.500 Euro, seien sie von der Mehrwertsteuer befreit. Mittlerweile gebe es knapp 22.000 solcher Kleinstunternehmen auf dem Markt, heißt es weiter. Eine Entwicklung, die zu massiven Wettbewerbsverzerrungen führe. Denn wenn die Mehrwertsteuer von 19 Prozent wegfalle, könnten die Salonbetreiber ihre Dienstleistungen besonders günstig anbieten. Dem wachsenden Konkurrenzdruck hielten nicht alle Betriebe stand.

 

Die enge Preisgestaltung wirke sich auch auf die Entlohnung der Mitarbeiter aus. Es gebe eine Reihe von schwarzen Schafen, die ihren Angestellten einen Stundenlohn von vier bis fünf Euro zahlten. Doch selbst wenn der Mindestlohn eingeführt werden sollte, wäre es schwierig, seine Einhaltung zu kontrollieren. Friseure stünden beim zuständigen Hauptzollamt nicht im Mittelpunkt.

 

Die meisten angestellten Friseurinnen und Friseure verdienten wenig. Doch es gebe große regionale Unterschiede, berichtet der Weser Kurier weiter: Während berufserfahrene Friseure in Bayern nach Tarif 1778 Euro verdienten, seien es in Sachsen mit 830 Euro weniger als die Hälfte. In Niedersachsen gelte ein Tariflohn von 7,51 Euro pro Stunde, in Ostdeutschland zahlten manche Arbeitgeber ihren Mitarbeitern weniger als fünf Euro.

 

Der Anteil der Niedriglohnbezieher habe 2010 im Bereich "Friseur und Kosmetik" bei 85,6 Prozent gelegen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf das Statistische Bundesamt. Viele der rund 260 000 Friseure in Deutschland seien wegen ihrer niedrigen Gehälter auf staatliche Hilfen angewiesen, um ihren Lebensunterhalt sichern zu können.

 
 

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1 Kommentar

Freitag, 22.02.2013 06:11

Manuela Voigt

Habe gerade diesen Artikel gelesen.Ich bin der Meinung das es Zeit wird in unserer Branche etwas zu tun. Ich bin selbst Friseurin und arbeite Vollzeit.Am Ende des Monats habe ich einen Nettolohn von 750,00 €. Davon kann doch kein Mensch Leben. Die Nebenkosten werden auch immer mehr z.B.Strom, Lebensmittel.Manchmal weis man nicht mehr wie das weiter gehen soll. Mein Kind, 6.Klasse, braucht auch Lehrmittel für seine Schulbildung. Da ich mit meinen Lebensgefährten zusammen wohne bekomme ich leider auch keine Zuschüsse. Es ist eine Schweinerrei, das man mit der eigenen Hände Arbeit kaum um die Runden kommt. Und an Urlaub gar nicht zu denken!!
Es muss dringent etwas getan werden.
MFG Manuela.

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